Alexey Ignatyev

Alexey Ignatyev

Was schenkt man einem 8-jährigen Jungen zum Geburtstag? Alexeys Familie entschied sich für Legos und… Modellflugzeuge. Letztere mussten von Hand zusammengebaut werden, was viel Fingerspitzengefühl erforderte. Nur wenn jede Verbindung genau nach Plan gelang, würde das motorlose Vehikel abheben, sobald man es aus dem Fenster in die Lüfte entliess. Kaum war diese Challenge geschafft, wollte Alexey höher hinaus: Die kleinen Flitzer sollten leuchten, blinken und von Motoren getrieben weiter fliegen. Noch ganz ohne Erfahrung in der Elektronik machte sich der Junge ans Werk und liess einige LEDs durchbrennen, bevor er das Konzept eines Widerstands kennen lernte. In diesem Lebensabschnitt lernte Alexey, einen Lötkolben zu bedienen.

Im Alter von 15 Jahren zog Alexey in die Schweiz, präziser ins französischsprachige Wallis, wo er das Gymnasium begann. Neben einem Kulturschock erlernte er dort erst einmal auf die harte Tour die Französische Sprache. Wie immer war seine Methode Learning by Doing, wodurch er in den folgenden Jahren neue Freunde kennen lernte. Im vierten Jahr wählte er die Vertiefung Physik und Angewandte Mathematik, wodurch er Sandro Kalbermatter kennen lernte. Im Maturajahr entdeckte Alexey Arduino und stürzte sich tief in die Materie. Ein besonderes Schlüsselerlebnis für ihn war der Bau einer funktionierenden Tesla-Spule. Später zog er nach Zürich, wo er sein im Gymnasium gelerntes Deutsch vertiefte und Schweizerdeutsch lernte. Seine Freizeit verbrachte Alexey unter anderem mit dem Ersteigern defekter Maschinen, die er reparierte und weiterverkaufte. Gemäss dem Klischee im Internet ist es bei Knabenzimmern gefährlich, barfuss zu laufen, weil heimtückische Lego-Teile auf die nackten Füsse lauern. Bei Alexey ging diese Gefahr eher von halb zersägten Leiterplatten aus, deren Effekt den Legos in keinster Weise unterlegen ist.

2015 entdeckte Alexey den 3D-Druck. Die Materie faszinierte ihn derart, dass er seine Maschine Tag und Nacht arbeiten liess. Deren unregelmässiger Lärm bezeichnete er als entspannend und einlullend, worauf ihn seine Freunde und Kollegen scherzhaft als verrückt erklärten. Er arbeitete sich durch diverse 3D-Drucker und druckte zahllose Objekte, die er selber designte. Mit der Zeit fielen ihm häufige Schwachstellen an den Druckern auf, und er begann, die Drucker zu modifizieren, um deren Qualität und Geschwindigkeit zu verbessern. Noch heute stellt der 3D-Druck die Haupttechnologie zur Herstellung von Alexeys Prototypen dar, wenn auch der Fokus der Projekte mittlerweile beim herzustellenden Gerät liegt und der Drucker zu einem zentralen Werkzeug geworden ist.

Als der OFFH in seinen Gründungsjahren nach Kursleitern suchte, empfahl Sandro dem Verein Alexey, der sich daraufhin in die Didaktik stürzte. Dort führte er seinen ersten Elektronikkurs durch, den er einige Jahre weiterentwickelte und damit Dutzende von Kindern prägte. Mit Alexey startete Sabine Zeller vom OFFH das Mentoring-Programm, bei dem Kinder und Jugendliche einzeln oder in sehr kleinen Gruppen gezielt in einem Thema (in Alexeys Fall Arduino oder Robotik) gefördert werden. Aufgrund des Erfolgs der Kurse und des positiven Feedbacks entschied sich Sandro, Alexey auch bei der Kinderuni des EHK und Talentino zu empfehlen. Noch immer arbeitet Alexey bei allen drei Organisationen als Kursleiter.

In seiner Freizeit vertiefte sich Alexey auch in diverse Projekte wie der Herstellung von Robotern, Steuerungen und Maschinen. Diese boten ihm Gelegenheit, sich mit verschiedenen Technologien wie Lasergravur und -schnitt, CNC-Fräsen und Drehen vertraut zu machen. Über diese Zeit vertiefte er auch seine CAD-Kenntnisse, welche er beispielsweise nutzte, um einen Roboterarm mit komplexen Getrieben auf engstem Raum herzustellen. Nie gab er sich mit seinen Resultaten zufrieden und selten überlebte eine seiner Kreationen den Monat, bevor sie wieder auseinandergebaut und optimiert wurde. Wenn das neuste Baby einmal nicht funktionierte und Alexey die Erkenntnis dämmerte, dass die ganze Arbeit zunichte war, so sprach er seinen berühmten Satz “dann war ich halt noch nicht gut genug” und hatte schon diverse Pläne, wie die Probleme zu lösen sein konnten.

Heute absolviert Alexey ein Praktikum bei der SFS, wo er sich auf sein Studium des Maschinenbaus vorbereitet. In seiner Arbeit sucht er nach Lösungen in der Produktion, Metallbearbeitung und Steuerungstechnik. Er gilt in der Firma als 3D-Experte, entwickelt einen hauseigenen Werksdrucker und hält Kurse für seine Kollegen.